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Warum Datenschutz bei KI-Anwendungen mit der Architektur beginnt

Nicky LippoldNicky Lippold
2026-09-01
3 Min.

Datenschutz klingt schnell nach Paragrafen, Richtlinien und Freigabeprozessen. Nach Dokumenten, die irgendwo abgelegt werden. Nach Prüfungen, die am Ende eines Projekts stattfinden.

In der Praxis beginnt Datenschutz jedoch häufig deutlich früher. Nicht erst im fertigen System. Nicht erst beim Go-live. Sondern bereits während der Planung einer technischen Lösung.

Wir möchten euch aufzeigen, wie wir Datenschutz im Projekt aktiv einbinden.

Der Moment, in dem es praktisch wird

Im Rahmen eines Projekts entwickelte PROTOS eine cloudbasierte, KI-gestützte Anwendung zur automatischen Anpassung bestehender Lebensläufe an Projektanfragen.

Ziel der Anwendung ist es, eingehende Projektanfragen automatisiert zu analysieren und daraus einen passenden CV-Vorschlag zu erzeugen. Der erstellte Vorschlag wird anschließend durch einen Mitarbeitenden fachlich geprüft und freigegeben. Die Anwendung dient dabei ausschließlich als Unterstützung des Bearbeitungsprozesses – die finale Entscheidung verbleibt jederzeit beim Menschen.

Technisch handelt es sich um eine moderne Cloud-Anwendung mit webbasiertem Frontend, Authentifizierung, Dokumenten-Upload, automatisierter Textextraktion, KI-gestützter Verarbeitung sowie strukturierter Speicherung der Ergebnisse innerhalb einer von PROTOS kontrollierten Cloud-Infrastruktur.

Auf den ersten Blick ein überschaubarer Anwendungsfall. Kein produktiver Kundendienst, kein groß angelegtes Transformationsprogramm – zunächst lediglich eine interne Lösung zur Unterstützung eines konkreten Arbeitsprozesses.

Und genau darin liegt eine typische Erkenntnis aus der Praxis.

Während der technischen Konzeption lag der Fokus zunächst auf der eigentlichen KI-Komponente. Schließlich verarbeitet das Sprachmodell die Inhalte der Lebensläufe und Projektanfragen. Intuitiv scheint genau dort auch der datenschutzrechtlich relevante Teil der Anwendung zu liegen.

Bei der gemeinsamen Betrachtung der Gesamtarchitektur zeigte sich jedoch ein anderes Bild.

Personenbezogene Daten werden bereits verarbeitet, bevor überhaupt ein Prompt an das KI-Modell übergeben wird.

Bereits die Authentifizierung der Benutzer, das Hochladen von Dokumenten, deren Speicherung sowie die automatisierte Textextraktion verarbeiten personenbezogene Informationen. Die eigentliche KI-Komponente ist lediglich ein Verarbeitungsschritt innerhalb einer deutlich umfangreicheren Architektur.

Aus einem technischen KI-Test wurde damit die Betrachtung eines vollständigen Datenflusses – und damit eine Datenschutzfrage.

Datenschutz beginnt nicht mit der KI

In diesem Fall war es gängige Praxis bei PROTOS, den Datenschutzbeauftragten frühzeitig einzubinden. Nicht, um das Projekt auszubremsen, sondern um gemeinsam zu bewerten, welche datenschutzrechtlichen Anforderungen sich aus der geplanten Architektur ergeben.

Zunächst wurde analysiert, welche personenbezogenen Daten entlang des gesamten Datenflusses verarbeitet werden. Anschließend wurde betrachtet, zu welchem Zweck diese Verarbeitung erfolgt, welche Rechtsgrundlagen einschlägig sind und welche organisatorischen sowie technischen Maßnahmen erforderlich werden.

Da der Anwendungsfall Berührungspunkte mit dem HR-Umfeld besitzt, wurden gemeinsam mit den verantwortlichen Fachbereichen außerdem bestehende vertragliche Regelungen überprüft. Gerade im Beschäftigungskontext muss sorgfältig bewertet werden, ob die bestehende Rechtsgrundlage den vorgesehenen Verarbeitungszweck abdeckt oder Anpassungen erforderlich sind.

Das Projekt konnte anschließend weitergeführt werden – allerdings nicht auf Basis von Annahmen, sondern auf Grundlage einer dokumentierten Bewertung der identifizierten Risiken und Maßnahmen.

Datenschutz betrifft die gesamte Architektur

Die technische Architektur macht deutlich, dass personenbezogene Daten an mehreren Stellen innerhalb der Anwendung verarbeitet werden.

Bereits das zentrale Authentifizierungssystem verarbeitet Benutzerdaten. Hochgeladene Dokumente werden in einem gesicherten Speicher abgelegt, automatisiert ausgelesen und anschließend durch die KI verarbeitet. Ergebnisse werden strukturiert in einer Datenbank gespeichert. Ergänzend sorgen Sicherheits-, Monitoring- und Verschlüsselungsdienste dafür, dass die Anwendung zuverlässig und nachvollziehbar betrieben werden kann.

Die eigentliche KI-Komponente bildet dabei nur einen einzelnen Baustein innerhalb des gesamten Datenflusses.
Architektur-Datenschutz-KI-Projekt_PROTOS.pngGenau deshalb beschränkt sich die Datenschutzbetrachtung nicht auf das Sprachmodell selbst, sondern umfasst sämtliche Komponenten der Cloud-Architektur.

Paul Schmidt
Bei KI-Anwendungen liegt der Fokus häufig auf dem eingesetzten Modell. Aus technischer Sicht beginnt Datenschutz jedoch deutlich früher. Bereits Authentifizierung, Speicher, Berechtigungen, Datenflüsse und Schnittstellen entscheiden darüber, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden. Deshalb betrachten wir Datenschutz immer entlang der gesamten Architektur und nicht isoliert auf der KI-Komponente.

Datenschutz endet nicht mit der ersten Freigabe

Ebenso wichtig wie die Planung ist der spätere Betrieb einer Anwendung.

In der Praxis entstehen Datenschutzrisiken häufig nicht dadurch, dass eine Architektur fehlerhaft entwickelt wurde. Vielmehr verändern sich Anwendungen kontinuierlich.

Neue Benutzerrollen werden eingerichtet. Zusätzliche Schnittstellen werden integriert. Berechtigungen werden angepasst oder weitere Komponenten ergänzt.

Technisch sind solche Änderungen häufig sinnvoll oder sogar notwendig. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass personenbezogene Daten plötzlich an weiteren Stellen verarbeitet oder für zusätzliche Benutzer zugänglich werden.

Ein typisches Beispiel sind Berechtigungskonzepte für Dokumentenspeicher. Erhält eine neue Benutzerrolle Zugriff auf einen Speicherbereich, ohne dass die zugrunde liegenden Berechtigungen vollständig überprüft werden, können personenbezogene Dokumente für Personen sichtbar werden, die diese Informationen für ihre Tätigkeit nicht benötigen.

Die Anwendung funktioniert technisch weiterhin einwandfrei. Datenschutzrechtlich muss die Situation jedoch neu bewertet werden. Deshalb endet Datenschutz nicht mit der ersten Freigabe einer Anwendung, sondern begleitet deren gesamten Lebenszyklus.

Omar Kiwan
Eine Cloud-Anwendung bleibt selten über ihren gesamten Lebenszyklus unverändert. Neue Deployments, zusätzliche Services und geänderte Konfigurationen gehören zum normalen Betrieb. Deshalb betrachten wir Datenschutz nicht als einmalige Prüfung, sondern als kontinuierlichen Bestandteil unserer technischen Prozesse. Ziel ist es, Änderungen nachvollziehbar umzusetzen und Datenschutzanforderungen dauerhaft in der Infrastruktur zu verankern.

Datenschutz als Sparringspartner

Gelebter Datenschutz bedeutet, Datenschutz nicht als reine Kontrollinstanz zu verstehen. Vielmehr geht es darum, frühzeitig Orientierung zu geben und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die fachlich funktionieren und rechtlich belastbar sind.

Das setzt voraus, Datenschutz bereits während der Architektur- und Konzeptionsphase einzubinden. Werden datenschutzrechtliche Fragestellungen erst kurz vor der Inbetriebnahme betrachtet, sind Anpassungen häufig deutlich aufwändiger.

Werden sie dagegen frühzeitig gemeinsam bewertet, lassen sich technische und organisatorische Maßnahmen von Beginn an sinnvoll berücksichtigen.

Jan Reimers
Für mich ist Datenschutz kein Thema, das man einmal prüft und dann abhakt. Gerade bei neuen Technologien wie KI entstehen immer wieder neue Situationen, die man sich konkret anschauen muss. Gute Lösungen entstehen im Austausch zwischen Menschen, die gemeinsam verstehen wollen, was fachlich gebraucht wird und was datenschutzrechtlich sauber funktionieren kann.

Von der Compliance-Vorgabe zur gelebten Praxis

Der Anwendungsfall zeigt, dass Datenschutz und moderne Cloud-Architekturen kein Widerspruch sind.

Entscheidend ist, Datenschutz nicht ausschließlich als rechtliche Fragestellung zu verstehen, sondern als Bestandteil der technischen Architektur und des späteren Betriebs.

Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Entscheidungen, geeignete technische Maßnahmen und die kontinuierliche Bewertung von Veränderungen während des gesamten Lebenszyklus einer Anwendung.

Die entscheidenden Fragen lauten daher nicht nur:

  • Welche personenbezogenen Daten werden verarbeitet?
  • Zu welchem Zweck erfolgt die Verarbeitung?
  • Auf welcher Rechtsgrundlage basiert sie?

Sondern ebenso:

  • An welchen Stellen der Architektur werden personenbezogene Daten verarbeitet?
  • Welche Komponenten greifen auf diese Daten zu?
  • Wie verändern neue Schnittstellen, Rollen oder Erweiterungen den Datenfluss?
  • Wie stellen wir sicher, dass diese Änderungen dauerhaft nachvollziehbar bleiben?

Erst das Zusammenspiel aus Architektur, Cloud Engineering, Informationssicherheit und Datenschutz schafft die Grundlage dafür, KI-Anwendungen sicher und verantwortungsvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Nicky Lippold

Nicky Lippold

Marketing & Sales

Nicky Lippold ist Ihr erster Ansprechpartner für die Themen, die Ihre IT bewegen. Mit über 10 Jahren Expertise in der IT- & Softwarebranche, bringt er etwas mit, das vielen technisch geprägten Teams hilft: einen externen und kommunikativen Blick der Orientierung schafft, bevor es ins Detail geht.
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